AV2 vs AV1: Was der Videocodec der nächsten Generation mitbringt

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AV1 ist zum bevorzugten offenen, lizenzfreien Videocodec geworden — er treibt das Streaming auf Netflix, YouTube und in modernen Browsern und GPUs an. Aber sein Nachfolger, AV2, steht am Horizont. Mit der Spezifikation, die für Ende 2025 erwartet wird, hier ist, was sich ändert und warum es wichtig ist.

Kompression: 30–40% besser

Die Hauptzahl ist überzeugend. AV2 liefert ungefähr 30–40% Bitrateneinsparung gegenüber AV1 bei gleicher Qualität. Interne Benchmarks zeigen eine Reduktion von 28,63% bei PSNR-YUV und 32,59% bei VMAF-Metriken. In Kombination mit KI-Vorverarbeitung berichten einige Quellen von über 43% Bandbreitenreduktion.

In der Praxis: dasselbe Video, in derselben Qualität, mit deutlich weniger Daten. Das ist enorm wichtig für mobile Netzwerke und CDN-Kosten.

Größere Blöcke, intelligentere Partitionierung

AV2 führt 256×256 Superblöcke ein (statt 128×128 bei AV1) mit vollständig rekursiver Partitionierung. Dies gibt dem Encoder viel mehr Flexibilität, komplexe Texturen von flachen Bereichen zu isolieren und sowohl Qualität als auch Kompression in einem Durchgang zu verbessern.

KI trifft auf traditionelle Kodierung

AV2 ist kein vollständig neuronaler Codec, verfolgt aber einen hybriden Ansatz — datengestützte, trainierte Modelle werden in die traditionelle blockbasierte Pipeline integriert. Diese Modelle bewältigen Aufgaben wie die Intra-Prädiktion intelligenter als handgefertigte Heuristiken, ohne die Vorhersagbarkeit und Hardware-Freundlichkeit eines standardbasierten Codecs zu opfern.

Bewegungsschätzung wird aufgerüstet

Fortschrittliche optische Flusstechniken und ein neuer Temporal Interpolation Prediction (TIP) Modus geben AV2 eine deutlich bessere Inter-Frame-Prädiktion. Schnell bewegte Inhalte — Sport, Action-Sequenzen, Gaming — profitieren am meisten, mit weniger Artefakten und besserer Detailerhaltung.

Über Streaming hinaus: 8K, VR und Bildschirminhalte

AV2 erweitert seine Reichweite weit über traditionelles Video-Streaming hinaus:

  • 8K und HDR — einheitlicher exponentieller Quantisierer für 8-, 10- und 12-Bit-Tiefe, plus Wide Color Gamut-Unterstützung
  • VR/AR und 3D-Video — native Unterstützung für immersive Inhaltsbereitstellung
  • Bildschirminhalt-Kodierung — dramatisch bessere Kodierung von Desktops, Text und UI-Elementen (eine Schwäche von AV1)

Der Haken: Komplexität

AV2 ist rechnerisch aufwendiger als AV1. Software-Kodierung in Echtzeit wird ohne dedizierte Hardware-Beschleunigung schwierig sein, und eine breite Unterstützung für Hardware-Decoder wird nicht vor 2027 oder später erwartet. Frühe Software-Wiedergabe wird bereits demonstriert — VLC 4.0 spielte AV2-Inhalte auf einem MacBook Pro auf der CES 2026 ab — aber die Massenadoption wird Zeit brauchen.

AV1 geht nirgendwohin

AV1 ist ausgereift und gut unterstützt. Netflix berichtet, dass AV1-Streams ein Drittel weniger Bandbreite als H.264/HEVC verwenden, bei 45% weniger Pufferereignissen. Hardware-Dekodierung ist auf modernen Geräten nahezu allgegenwärtig. AV1 wird noch jahrelang der dominierende offene Codec bleiben, während AV2 sich etabliert.

Das Fazit

MerkmalAV1AV2
KompressionBasis~30–40% besser
Max. Superblock128×128256×256
KI-ToolsNeinHybrid datengestützt
BildschirminhaltBegrenztDedizierte Tools
8K / HDR / VRTeilweiseNative Unterstützung
Hardware-Dek.VerbreitetErwartet ~2027
LizenzfreiJaJa

AV2 ist ein bedeutender Generationssprung — keine Revolution, aber genau die Art von stetigem, signifikantem Fortschritt, der offene Codecs gegenüber proprietären Alternativen wie VVC/H.266 wettbewerbsfähig hält. Bauen Sie vorerst auf AV1. Behalten Sie AV2 im Auge.